Das Schiff geriet in Untiefen

Die Piratenpartei hat auf Twitter aufgerufen, mitzuteilen, warum man selber sie gewählt hat ‐ oder eben nicht. Okay, es gibt das Wahlgeheimnis, aber mit geringem Recherche-Aufwand kann man meine Sympathie eh ablesen. Dann kann ich auch genauso gut darüber bloggen 🙂

Ich habe gewählt. Die Erststimme hat aber kein Pirat bekommen. Warum? Es war so gut wie nichts über Dr. Jürgen Martin im Internet zu finden! Als Pirat!

Schlau geworden bin ich nur im Piratenblog und auf Abgeordnetenwatch. Und dann auch nur eine Aneinanderreihung der Ziele und Ideale der Partei. Tut mir Leid, damit kann ich mir kein Bild machen. Das andere Extrem fand ich dann bei der GRÜNEN-Politikerin Birgitt Bender: Viel Profil, aber kaum Partei-Zugehörigkeit. Wofür steht ihr ein? Warum sollte ich euch meine Stimme geben?

Aber wenn mir die Partei schon gefällt, kann ich sie auch wählen. In der Vergangenheit ging die Zweitstimme eigentlich immer an eine links-gerichtete Partei. Stimmensplitting ist bei mir auch üblich.

Aber dieses Mal hatten die Piraten ein Alleinstellungsmerkmal, welches die anderen Parteien in der Form nicht vorweisen konnten: Julia Probst (@EinAugenschmaus). Dadurch, dass die Menschen mit Behinderungen eine Randgruppe darstellen, brauchen sie insbesondere einen Repräsentanten. Diese finden sich beispielsweise auch bei den Grünen (Danny Canal aka @Taubposeidon) oder den Linken (Ilja Seifert), aber dort rangieren sie auf den hinteren Rängen. Unwahrscheinlich also, dass sie über die Landesliste in den Bundestag einziehen würden.

Ganz anders bei den Piraten. Platz 3 ist quasi eine Garantie, dass ein Sitz im Bundestag sicher ist. So denn der Einzug gelingt. Was leider nicht der Fall war. Die Piratenpartei kann irgendwie ihre Spitzenkandidaten nicht recht präsentieren, bekomme ich den Eindruck.

Ich hätte es gerne gesehen, wenn es im Bundestag einen Gebärdensprachdolmetscher gegeben hätte. Theoretisch könnten und sollten Sie einen engagieren, aber dazu kann ich keine Motivation unter den Abgeordneten erkennen.

Neben der Personalie Probst kann ich mich aber auch sehr gut mit den Idealen der Partei identifizieren. Bis auf ein paar Punkte, aber Deckungsgleichheit findet sich wohl in den seltensten Fällen 😉

So finde ich es erstrebenswert, wenn mehr Bereiche des Öffentlichen Lebens, wie Ämter-Websites oder Entscheidungsfindungen in der Politik, transparenter und barrierefreier zugänglich gemacht werden. Diesen Wunsch teilt Julia übrigens auch, wie man beim letzten Digitalen Quartett nachsehen kann:

Was mich auch gerade an der Piratenpartei fasziniert, ist die basisdemokratische Verankerung: Man muss sich nicht zwangsläufig physisch treffen, um zu Ergebnissen zu kommen. Die Piraten nutzen die Möglichkeiten, die ihnen das Internet bietet, um mittels Wiki, Blogs, Foren, Mailinglisten, Podcasts u.a. ihre Inhalte öffentlich zu diskutieren. Das vermisse ich bei den anderen. Für mich als Familienvater ist das durchaus ein Argument, kann ich so doch von daheim aus „politisch aktiv“ werden. Für bestimmte Anlässe (wie beispielsweise Abstimmungen bei Vorstandswahlen) ist meiner Meinung nach aber ein Treffen im „wirklichen Leben“ unumgänglich.

Ich bin gespannt, wohin die Reise geht. Immerhin werfen jetzt ja auch einige ranghohe Kapitäne in der Partei das Handtuch. Vielleicht sollte ich anheuern?

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