Open Source in Schulen

Ich bin ja ein sehr starker Freund von quelloffenen Alternativen geworden. Einfach und auch, weil sie bereits jede Menge Standard-Anwendungen abdeckt und kostenlos ist. Auf diesem Punkt geht auch Thomas Leister in seinem Artikel ein. Jedoch geht er mir nicht weit genug.

Wie Thomas in den Kommentaren schon mehrfach aufgezeigt wurde, geht es bei Freier Software nicht nur darum, dass sie kostenlos ist und der Quellcode offen liegt. Nein, es geht um „frei wie in freier Rede“. Aber was heißt das?

OSI And FSF in unprecedented collaboration to protect software freedom
Flickr: „OSI And FSF in unprecedented
collaboration to protect software freedom

von opensourceway (CC-BY-SA)

Fangen wir doch einmal mit den viel zitierten Vier Freiheiten an:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen (Freiheit 0).
  • Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und eigenen Bedürfnissen der Datenverarbeitung anzupassen (Freiheit 1). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.
  • Die Freiheit, das Programm weiterzuverbreiten und damit seinen Mitmenschen zu helfen (Freiheit 2).
  • Die Freiheit, das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen der Öffentlichkeit freizugeben, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert (Freiheit 3). Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.

Vielleicht noch ergänz, um Martin’s fünfte Freiheit.

Ja, es geht hier um Freiheit. Und Souveränität. Die Freiheit, eigenständige Entscheidungen über seinen Computer und dessen Resultate zu treffen. Die Freiheit, nicht dazu gezwungen zu werden, neue Hardware anschaffen zu müssen, nur um mit der aktuellen Software oder des Betriebssystems mithalten zu können (Wegwerfgesellschaft lässt grüßen!).

Die Freiheit, auch noch in zehn Jahren seine Dokumente öffnen zu können (schon einmal ein Win95-Dokument heute zu öffnen versucht? Oder .docx unter Windows XP?). Wenn jetzt der Quellcode offen liegt, kann man sich notfalls eben noch eine veraltete Version davon herstellen, um die Dokumente zu öffnen.

Die Freiheit, auch Daten mit Freunden austauschen zu können. Richard Stallman sprach viel von Nachbarschaftsgesten in seinen Anfängen der Free Software Bewegung. Und Herr Barth betrachtet Freie Software auch im Licht der Naturwissenschaften. Ich reg mich auch so auf, wenn ich einmal ein Word-Dokument bearbeiten muss – und dieses in LibreOffice komplett anders ausschaut. Mehr noch, sogar unter verschiedenen LibreOffice-Versionen ist Kompatibilität nicht gewährleistet! Also bleibt nur PDF (welches sich nicht so leicht bearbeiten lässt) oder eine Mark-Up-Sprache wie LaTeX, MarkDown und dergleichen.

Es darf bei Freier Software nicht nur darum gehen, mit dem Preis zu argumentieren. Nehmen wir jetzt einfach einmal an, dass eine Schule auf Open Source umstellt. Dann fallen Wartungsaufgaben an. Kosten. Das Personal muss geschult werden (wäre auch bei der Ribbon-Oberfläche notwendig gewesen). Kosten. Die Rechner müssen nach außen gesichert werden (Firewall, Proxy und so weiter). Kosten. Ja, die Aufgaben kann man sich auch alles selber beibringen. Aber das kostet Zeit. Die eigentlich woanders auch benötigt wird. Selbst die Verantwortlichen hinter dem LiMux-Projekt betonen dies. Irgendwann kann jemand daher kommen und zeigen, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Aber dadurch, dass man dieden Menschen aufzeigt, dass es Alternativen gibt, dass man selber entscheiden kann, welche Software man wann und wie lange einsetzen möchte, gewinnt man ein wenig Souveränität zurück. Für mich gehört das zur Digitalen Medienkompetenz.

Edit: Danke an maxen für den Hinweis im letzten Absatz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s