Warum das Papier nicht so schnell verschwinden wird

Ich bin seit einiger Zeit auf der Mailingliste der OpenEducation Arbeitsgruppe eingeschrieben. Es ist echt spannend, was sich in der Welt da so tut. Jetzt hab ich auch einmal den Fokus auf die Entwicklungsländer gelegt, aber der Reihe nach.Angefangen hat alles mit einem Blog-Artikel im 24-7 Prayer. Da nicht jeder ein Fan christlicher Evangelisation ist, zitiere ich hier einmal den relevanten Abschnitt:

“I had top grades – I wanted to study communications at university. I
was in my last two years of school [when the conflict broke out], but
now I have no chance to finish my education,” he told us. “To get
registered in school here, they told me I must bring my school papers
from Syria. How is this possible when my school and house were
completely destroyed? I told them I could sit an exam to show them,
but they said they have too many students already. I’ve tried to
study by myself at home, but I have no access to books; I can’t
learn anything. I had such hopes for a good future, but now they’ve
been destroyed.”

Kurzum, durch die Vertreibung bzw. Flucht wurde der Bildungsweg abgeschnitten, da es keinen Zugang zu Büchern (!) gab. Von daher konnte nicht weiter gelernt werden. Ärgerlich das.

Ich mein, ich kann ja meine Blogger-Kollegen verstehen. Wenn dann von einem papierlosen Büro geträumt wird. Oder die Welt vollkommen digitalisiert wurde, weil alle mit einem Smartphone rumlaufen. Aber soweit sind wir nicht. Und ich bezweifle, dass sich das so schnell ändern wird.

Mozilla, Google und Facebook wollen ja alle “die nächste Milliarde Menschen an’s Netz zu bringen”. Heißt im Umkehrschluss, dass wir noch mit Feature Phones und Büchern, CDs und dergleichen rechnen müssen. Und Offline-Verbindungen. Auf der Mailingliste entspann sich daraufhin eine kurze Diskussion (ich würde behaupten: der längste Zusammenhängende Thread bisher) zum Thema. In Syrien druckte über 500tausend Bücher. Afrika entwickelt im Gegensatz zu den Industrie-Nationen SMS-basierte Alltagslösungen! Mal ganz abgesehn von anderen Erfindungen, die heute den Welthandel erleichtern. Megan hat darüber auch gebloggt. Aus ihrem Artikel hab ich das Video entnommen:

Was ich mich frage, ist, gehen wir das Problem richtig an? Ich mein, warum brauchen die Afrikaner eigentlich ein Smartphone? Behalte im Hinterkopf, dass Strom dort nicht 24/7 verfügbar ist. Welche Vorteile hat es eigentlich? Ist es nicht vielmehr Zeitverschwendung? Ich mein, klar, Spiele unterhalten. Aber wir haben hier Probleme zu lösen.

Zum Beispiel: Aus den USA schwappt der Trend von Mobile Payment nach Deutschland. Also das standortbasierte Zustellen von Werbung und Bezahlen auf dem Smartphone. In Afrika bezahlen sie per SMS …

Versteht ihr? Von dem, was die Afrikaner dort leisten, profitiert auch der Rest der Welt. Wir sollten ihnen dankbar sein. Und sehen, was wir für sie tun können. Ohne wieder in Kolonialhaltung zu verfallen und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse unsere “Lösungen” dort überstülpen. Denn sie sind nicht einfach nur so ein Haufen von Menschen, denen man “helfen muss”. Nein, es sind Menschen. Wir sollten ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Sie können uns beispielsweise so einiges beibringen über verteilte Netzwerke. Oder eben die intelligente Nutzung von Smartphones. Not macht eben erfinderisch. Vielleicht finden die “wahren Innovationen” ja auf dem “Schwarzen Kontinent” statt.

Earth at night
Flickr: “Earth at night“ von jim (CC-BY-SA 2.0)
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Ein Gedanke zu “Warum das Papier nicht so schnell verschwinden wird

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