Web 3.0: Erster Blog, der von einer KI gefüttert wird?

Gestern war ich auf einem Medienforum der akademie der media Stuttgart. Das Thema war “Friss, oder stirb – Kampf der Medien?” und beleuchtete das altbekannte Problem Online-Journalismus vs. Print-Journalismus. Leider konnte ich ob privater Termine nicht bis zum Ende bleiben. Ein Erfahrungsbericht.

In diesem Artikel nenne ich kurz die geladenen Gäste, beschreibe den Ablauf und schließe mit meinem Kommentar.

Web 3.0 Explained
Flickr: Web 3.0 Explained von Emilie Ogez
(CC-BY-NC-ND)

Der Ablauf

Geladen waren folgende Gäste:

Das Forum wurde in 5 Panels organisiert:

  1. Panel: Medien allgemein: Totgesagte leben länger
    mit Dr. Ulrike Koltermann, Hilmar Pfister und Heiko Zacher
  2. Panel: Kino & Film: Deutsches Kino lebt
    mit Prof. Dr. Mathias Schwarz und Dieter Krauss
  3. Panel: Design & Animation: Time Warp
    mit Heiko Burkardsmaier und Thomas Schmieder
  4. Panel: Weltpremiere: Startschuss für den ersten Web 3.0 Blog, Teil 1 und 2
    von Dr. Torsten Ambs sowie Robert Wauer
  5. Panel: Studentenprojekte Mediawelle von Maurizio di Dario und Rade across America von Rade Radovic

Das erste Panel

Im ersten Panel hat Frau Koltermann berichtete über ihre Auslands-Aktivitäten in Afrika und die Versetzung nach Paris, was für sie einen Kulturschock darstellte. Daneben machte sie der Leserschaft darauf aufmerksam, dass Journalismus Geld kostet und die Inhalte bezahlt werden sollten, um die Tätigkeit weiter zu finanzieren. Der Großteil der Finanzierung laufe über Werbung in Print, Abonnements stellten nur eine kleinen Teil der Einnahmensquellen dar.
Sie stellte fest, dass vor allem in Afrika immer mehr Auslandskorrespondenzen geschlossen werden müssten. Wenn es nicht gerade die typischen Katastrophen (Unruhen, Epidemien, Not und Elend) zu berichten geben würde, könnten bestenfalls Reportagen entwickelt werden. Für alles andere interessiere man sich in Europa nicht.

Der Blogger Hilmar Pfister – ein ehemaliger langfristiger Mitarbeiter der Stuttgarter Nachrichten – war mit dem “Weiter so” seines Verlags unzufrieden und verdient jetzt seinen Unterhalt mit Beratungsarbeit bzgl. PR, weil die Huffington Post ihre Journalisten ja nicht bezahlt. Er machte darauf aufmerksam, dass die Banken vor einem ähnlichen Problem stünden wie die Verlage und eine Experimentierfreude nicht gegeben sei. Als Gegenbeispiel führte er eine kleine Volksbank an, die ihr Tagesgeschäft in der Filiale mit Internetangeboten erweiterte. Es ginge nicht darum, dass “Online” das bestehende “Offline” ersetzen müsse, sondern stattdessen ergänze; die Kunden hätten immer noch den Wunsch nach persönlicher Beratung.

Heiko Zacher wischte alle Bedenken, dass Zeitungen verschwinden würde, beiseite. Mit Blick auf die Leserschaft stellte er fest, dass papierne Zeitungen vor allem von Best Agern gelesen werde, die mit dem Internet oftmals nichts anzufangen wüssten. Aber selbst diese Gruppe ist nicht homogen. Sie wollen nicht als “lieber Opa und Oma” verstanden werden, sondern ihre Rolle selbst festlegen. Dem müssten die Redaktionen Rechnung tragen, indem sie sich darauf einstellten. Es wurden verschiedene Typen (bspw. Traditionalisten oder Spezialisten wie Ingenieure) mit einem Beispiel vorgestellt, die zeigten, dass sich mit entsprechender Strategie Auflagen durchaus halten ließen. Die Daten wurden von der IVW herangezogen.

Das zweite Panel

Im zweiten Panel präsentierte Prof. Dr. Schwarz die Finanzierungsstruktur von Film-Produzenten und betonte die Förderung durch Regionalbedeutung. Filme würden oftmals in verschiedenen Bundesländern gedreht, um von den Ländern Förderung beantragen zu können. Daneben breche der DVD-Markt zunehmend weg in Europa – bis auf Deutschland. Dies könnte die Finanzierung von Filmen aus Deutschland gefährden, da dieser Baustein noch nicht subsumiert worden sei.
Daneben warf er das Problem auf, dass die Kinofilme mitunter überfüllt seien. Rund 230 Filme bei grob 50 Wochen pro Jahr mache vier Filme, die jede Woche neu in die Kinos kämen. Welcher Dreh bliebe dabei länger als eine Woche?

Dieter Krauß stimmte mit Herrn Schwarz dahingehend überein, dass die Zukunft der Filmförderung auf wackeligen Beinen stehe. Die MFG fördere vor allem aber die ländlichen Kinos als einziges Bundesland. Kommunales Kino finde sich aber nicht in Stuttgart. da seien andere Bundesländer weiter. Im Gegensatz zu Herrn Schwarz beleuchtete er nicht Filme aus Deutschland, sondern in. Das schließe Co-Produktionen mit ein. Die MFG fördere viele Filme, da man nicht im Voraus wissen könne, welcher Titel ein Erfolg werden kann. Crowdfunding sei auch eine Lösung, allerdings nur für sehr spezielle Vorhaben wie beispielsweise eine Reportage über die Energie-Wende.

Das dritte Panel

Mackevision versorgt Auto-Werbefilme mit Visual Effects (kurz VFX). Dafür arbeiten sie mit den Ingenieuren zusammen und haben ein Programm geschrieben, dass CAD-Baupläne in 3D-Modelle umrechnet, die zur weiteren Verarbeitung geeignet sind. Aber auch Story-Boards und Artwork findet man dort. Standorte werden im Allgemeinen nach den Autofirmen ausgewählt. Die Demo war ziemlich beeindruckend, denn Herr Burkardsmaier erzählte, dass es eine Vielzahl von Optionen bei Autos gebe, die allesamt über VFX ausgewählt werden könne. So kann man sich sein Wunschauto zusammenstellen – bis hin zur Farbe der Nähte!

Dem gegenüber berichtete Herr Schmieder, dass sie an einer Vision an der Hochschule Mittweida forschten. Sie haben festgestellt, dass Kinect Spieler direkt in’s Geschehen einbindet. Daraufhin arbeiteten sie jahrelang daran, diese Idee für das Entwickeln von Filmen und Spielen nutzbar zu machen. Hier ein YouTube-Video ihres Produkts Cinector:

Das ganze hat Anbindung an professionelle 3D-Modellierungssoftware wie Maya oder 3D Studio Max. Damit sollen die Kosten zur Entwicklung gesenkt werden, denn für 2 Sekunden Animationsfilm, bspw. Shrek, benötigen die Entwickler normalerweise eine Woche! Jetzt soll man es “einfach spielen” können. Selbst Rollen lassen sich austauschen ohne dass die Szene verändert werden muss.

Das vierte Panel

Dr. Torsten Ambs stellte die Theorie ihres Projekts vor. Demnach setzen sie WordPress ein, um die Inhalte auf Sala Terrana zu veröffentlichen. Dafür werden Keyword-Analysen über Tagclouds durchgeführt und Influencer-Relationships bestimmt. Eine KI entwickelt dann selbstständig Texte, die der Journalist dann noch sichten und ggf. freischalten müsse. Das ganze ist auf SEO getrimmt, um sich im Bereich Open Innovation Immobilien auf Google die erste Seite zu sichern. Um genügend Material zusammenzutragen für die KI wird gewissermaßen Open Source Intelligence eingesetzt, sprich öffentlich zugängliche Informationen zusammengetragen. Die Influencer bestimmen sich unter anderem über Twitter, Facebook und Instagramm. Später sind Experten-Beiträge geplant.

Eine praktische Einführung sollte im zweiten Teil nach der Mittagspause erfolgen, die ich leider nicht wahrnehmen konnte.

Das fünfte Panel

Ich konnte die Studentenprojekte nicht ansehen, da mich ein anderer Termin vom Rest der Veranstaltung abzog.

Mein Kommentar

Zum ersten Panel

Ich finde es schade, dass Frau Koltermann das erste Panel “entführt” hatte und so kaum Zeit für die anderen Redner und anschließenden Diskussion blieb. Mehr noch, sämtliche Pausen und die Offene Diskussion wurden bis zur Mittagspause gestrichen. Den Teil nach der Mittagspause konnte ich wahrnehmen. Die Studenten, welche durch das Forum moderierten, hätten hier meiner Meinung nach durchgreifen müssen und die Rednerin notfalls abwürgen müssen.

Die Zuhörerschaft konnte sich kaum einbringen. Mich hätte beispielsweise interessiert, wie sich die technische Infrastruktur (bzw. das Fehlen derselbigen) sich auf die journalistische Tätigkeit auswirkt. Wie in einem vorigen Beitrag ja bereits erwähnt, kann Afrika durchaus mit Innovationen aufwarten.

Zum zweiten Panel

Während Prof. Dr. Schwarz die Leser mit Zahlen erschlug (nicht einmal Diagramme wurden benutzt), hatte Herr Krauss gar keine Folien vorbereitet. Hätte ja nichts ausgemacht, wäre er nicht durch seinen Vortrag gehetzt. Ein Ablesen der Präsentation erscheint mir auch falsch. Ich weiß, dass ich mir hier als Jungspund eine dicke Lippe erlaube. Ich hätte die Daten jedenfalls anders aufbereitet. Mathematiker verstehen ja etwas von Zahlen 😉

Ich war regelrecht schockiert, dass der DVD-Markt am Wegbrechen sei. Persönlich streame ich keinen Fernsehen, weil ich lieber Inhalte durch Lesen aufnehme. Video on Demand reizt mich auch nicht. Es braucht schon einen starken Anreiz, bis ich mir einmal einen Podcast ansehe. Von daher fände ich es schade, wenn die Filme nicht mehr auf DVD erschienen. Als Kinogänger falle ich in den bundesdeutschen Durchschnitt: ein, höchstens zwei Mal im Jahr leiste ich mir das. Vom aktuellen LEGO-Film höre ich gerade viel gutes. Kommt ja auch bald in die deutschen Kinos …

Zum dritten Panel

Leider wurde keine Blender-Anbindung für Cinector erwähnt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Indie-Spiel-Entwickler damit auch etwas anfangen könnten. Es sieht jedenfalls gut aus 🙂

Zum vierten Panel

Das war eigentlich das Thema, was mich zum Medienforum zog, nachdem es in einem Vortrag auf der verganenen Stuzubi in Stuttgart beworben wurde. Hoffentlich wird beim nächsten Mal die Präsentation besser ausgearbeitet. Es blieb schlichtweg kaum Zeit zum Lesen, die Bilder waren teilweise zu dunkel und der Text zu tief, sprich: Kaum lesbar für manche, weil Köpfe im Weg waren. Die üblichen Probleme also.

Ich hätte gerne einige Einblicke in die Technik gehabt. Dabei tauchen beispielsweise Fragen auf wie:

  1. Welches Datenbank-Management-System wird eingesetzt? Apache Hadoop bietet sich eigentlich an, weil auch Google das nutzt. Ich vermute aber Oracle MySQL und damit auf lange Sicht Performance-Einbußen.
  2. Wie gut ist die Qualität? Das muss sich auf Dauer zeigen. Ich mein, immerhin sind erst vor Kurzem auch Hundert von Bots geschriebene Paper wieder entfernt worden, wie openscienceASAP berichtete.
  3. Alles wurde auf SEO getrimmt. Also viel Buzz. Wann ist mit einem Exit, d.g. der Verkauf, zu rechnen? Denn langfristig dürfte das Konzept abgestraft werden, wenn Google nicht überzeugt werden kann bzw. die Inhalte nicht qualitativ hochwertig genug sind.
  4. Wie gut ist der Algorithmus? Wer hat ihn geschrieben? Wie sehr ist er lernfähig? Davon hängt die ganze Qualität ab. Insbesondere, weil sich das Web rasant ändert.

Daneben ist die Idee jetzt auch nicht sooo neu. Es gibt schon eine KI namens Angelina, die Spiele entwickelt – samelt Logik! Und SEO-Beiträge werden auch von BuzzFeed und Upworthy erstellt, wie netzwertig.com immer wieder herausstellt. Klingt also wie die nächste Content Farm. Vielleicht täusche ich mich aber auch.

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